Marke: Warum fällt es mir schwer eine starke aufzubauen?

Ich habe das Glück, viele sehr kluge, kreative und erfolgreiche Unternehmer zu coachen. Wenn es jedoch um Personal Branding und Brand Marketing geht, verhalten sich die meisten wie Amateure.

Warum ist das so?

Fakt 1: Hemmungen vor der Selbstvermarktung

Die meisten erfolgreichen Unternehmer und Führungskräfte haben keine Probleme damit ein Produkt oder ihr Unternehmen „zu verkaufen“, aber sie fürchten sich, wenn es um sie als Person geht. Sie haben Hemmungen sich selbst zu vermarkten und zu branden, weil sie befürchten, dass ihnen vorgeworfen wird, ein Angeber oder egozentrisch zu sein.

Neue Sichtweise: Viele Unternehmer und Führungskräfte haben Talente und Fähigkeiten, die andere brauchen und wollen, doch wenn sie diese nicht an potenzielle Interessenten weitergeben, damit diese davon profitieren, könnte tatsächlich der Gedanke aufkommen sie seien egoistisch.

Fakt 2: Mangelndes Wissen über sich selbst

Ein Großteil der Unternehmer und Manager wissen nicht wirklich wer sie sind und was sie gut können. Kurzum, sie kennen ihre Personal Brand nicht. Sie sind unfähig anderen in einfachen Worten zu sagen, was genau sie machen, ohne in komplizierten Fachjargon zu verfallen. Ein paar wenige kommen mit weitreichenden Verallgemeinerungen daher, die auf Tausende andere mit ähnlichen Jobs in ähnlichen Branchen ebenso zutreffen könnten.

Neue Sichtweise: Sage deinen Kunden nicht, was du machst, sondern informiere sie darüber, was du für sie machen kannst. Die chemische Zusammensetzung von Waschmitteln interessiert keinen. Der Kunde will, dass es seine Kleidung sauberer und heller ist und nach einer Bergbrise riecht. Denke also an deinen Endverbrauchswert.

Falsches Selbstbildung und mangelndes Wissen über sich selbst Doreen Ullrich
Falsches Selbstbildung und mangelndes Wissen über sich selbst.

Fakt 3: Die Kraft des Leerraums wird nicht genutzt

Viele gehen bei der Erklärung dessen was sie machen zu tief ins Detail. Steve Jobs sprach von der Kraft des Leerraums auf einer Seite, in einem Produkt und sogar in einem Gespräch. Über nur jedes denkbare Detail zu reden oder zu schreiben, überflutet deinen Kunden nur, hilft ihm aber nicht, zum Kern zu kommen.

Neue Sichtweise: Versuche deine Message mal wie ein rücksichtsloser rasender Reporter zu vermitteln. Beschränke dich auf die Essenz an Wissen, doch mache es auf eine prägnante Weise. Vergiss nie, dass dein Ziel darin besteht, deinen Kunden oder Vorgesetzten sagen zu hören: „Erzähl mir mehr!“

Fakt 4: Zuvielisation

Die meisten Unternehmer und Führungskräfte erkennen nicht (an), dass Menschen meist (zurecht) abgelenkt, und wenig an Neuen Dingen interessiert sind. Der Alltag ist viel zu stressig, um sich voll und ganz auf etwas oder jemanden zu konzentrieren, an dem sie kein persönliches Interesse haben!

Neue Sichtweise: Es ist deine Aufgabe deine Zuhörer einzufangen, nicht umgekehrt. Du musst hier nur eine gute Ouvertüre spielen. Sie bringt dein Publikum zur Ruhe, und sie wird dein Publikum dazu ermuntern, sich in die Denkweise deiner Komposition einzuarbeiten. Hol dir die Aufmerksamkeit mit einer großartigen Eröffnungszeile, einer guten Überschrift im Lebenslauf, einer bemerkenswerten Leistung oder unverzichtbaren Erfahrung. Bringe deine Zuhörer dazu, sich aus ihrem furzwarmen, langweiligen Sessel zu erheben.

Fakt 5: Der Unternehmer hat das Bauchladendilemma

Viele Unternehmer und Führungskräfte versuchen, für zu viele Menschen zu viel zu sein. Mal ehrlich, gehst du zu einem Arzt der behauptet, eine Herz OP zu machen, sich deinen Fußpilz anzusehen und deine Stirnfalten glatt zu machen? Eher nicht, oder?

Neue Sichtweise: Dein Personal Branding muss eng und tief sein. Es muss dich besonders, besser noch EINZIGARTIG! machen. Was ich von meinen Kunden hören will, ist: „Doreen ist die Beste im Personal Branding!“ und du willst vielleicht hören: „So einen Kandidaten wie dich finden wir nie wieder!“.

Fakt 6: Der Unternehmer schöpft nicht aus den vollen Möglichkeiten

Schlechte Brand Marketer nutzen zu wenige Medien und Möglichkeiten. Sie gehen davon aus, dass sie wissen, es reicht dort zu sein, wo die tiefhängenden Früchte sind, und es wäre Zeitverschwendung, es woanders zu versuchen. 

Neue Sichtweise: Du wirst NICHT wissen welches der beste Weg zum Kunden ist, bist du viele Wege getestet hast. Vielleicht ist LinkedIn das Beste für dich. Aber was ist, wenn deine Talente am besten auf YouTube oder in den Reels auf Instagram rüberkommen? Eins-zu-eins-Networking oder ein Treffen in großen Gruppen? Empfehlungen von Vorgesetzten oder denen, die täglich mit dir zusammenarbeiten? Das alles wirst du nur wissen, wenn du für dich selbst Marktforschung betreibst.

Fakt 7: Der Unternehmer verkauft sich nicht selbst

Die meisten Unternehmer und Führungskräfte verkaufen ihre persönliche Marke einfach nicht! Sie konzentrieren sich dafür um so mehr auf die Verbesserung ihrer eigenen Fähigkeiten. Oder sie glauben Social Selling bedeutet möglichst viele Posts, Kommentare und Likes auf einer Plattform zu haben und dann den ganzen Tag dort abhängen.

Neue Sichtweise: Egal ob du neue Kunden, einen neuen Job, befördert, rekrutiert oder für ein Projekt ausgewählt werden willst, deine Fähigkeiten und Talente bringen dich nur begrenzt weit. Du musst dich verkaufen. Doch hier geht es vor allem auch um deine Persönlichkeit, deine Ethik, deine Sicht auf die Arbeit und das Leben. Alles zählt und muss zum sichtbaren Zeichen deiner Marke werden. Sicher sind diese Dinge schwerer zu messen, aber wenn du authentisch rüberkommst, fühlt es die andere Seite auch!

Unternehmer haben Probleme mit dem Verkauf
Authentizität zählt – vor allem bei Verkauf und Social Selling

Fakt 8: Der Unternehmer ruht sich auf seinen Lorbeeren aus

Selbst Unternehmen, die eine etablierte Marke aufgebaut haben, ruhen sich nun auf ihren Lorbeeren der Vergangenheit aus, und sind derart mit alltäglichen Problemen beschäftigt, dass sie für Wettbewerbssituationen blind werden.

Neue Sichtweise: Ignoriere keinesfalls grundlegende Veränderungen in der Wettbewerbssituation oder potenzielle Durchbrüche anderer, sonst machst du dich angreifbar und riskierst Chancen zu verpassen. Nutze neue Wettbewerber bewusst als Quelle echter Innovationen!

Eine persönliche Marke braucht Mut und Selbstbewusstsein

Wenn du deine persönliche Marke effektiv vermarkten willst, ist es wichtig, dass du verstehst, das du es oft selbst bist, der deine Bemühungen sabotiert und/oder einige einfache Marketingregeln ignoriert. Versuche dies künftig bewusster wahrzunehmen und dein Tun durch einige der oben aufgeführten strategischen Bemühungen und Maßnahmen zu ersetzen.

Um es klar zu sagen, es ist nicht unmöglich eine starke Marke aufzubauen. Es ist zumindest nicht so kompliziert. Es ist sogar recht einfach. Du musst den Leuten nur immer und immer wieder sagen, warum sie sich für das interessieren sollten, was du machst. So einfach ist das. 

Der Aufbau und die Pflege deiner Personal Brand in einer immer lauter werdenden Welt ist dennoch eine Herausforderung  geworden und erfordert selbst von einigen der am besten geführten Unternehmen der Welt, Milliarden zu investieren, damit die Menschen wissen, wer sie sind und wofür sie stehen. Existenz allein reicht nicht mehr. Du musst dich in einem Meer von anderen Anbietern abheben. 

Deine Personal Brand muss nicht frech, aber sie darf nicht schüchtern sein. 

Du brauchst Selbstbewusstsein. Du musst genau wissen, warum du einzigartig bist und deshalb Aufmerksamkeit verdient hast. Wenn dir der Mut fehlt, du selbst zu sein, musst du diesen Brand Aufbau vielleicht noch etwas reifen lassen. 

Für kleine und große Unternehmen und sogar für Einzelpersonen kommt es auf drei Dinge an:

USP, Klarheit und Überzeugung als Unternehmer

USP

In übersättigten Märkten ist die USP (Unique Selling Proposition) als einzigartiges Nutzenversprechen mitunter der entscheidende Faktor, um die Konkurrenz in den Schatten zu stellen. Zeige deiner Zielgruppe warum dein Angebot besonders ist und beeinflusse so die Kaufentscheidung zu Deinen Gunsten.

Die Unique Selling Proposition, auch Unique Selling Point genannt, ist dein individuelles Nutzenversprechen, das den Vorteil deines Produkts oder deiner Dienstleistung für den Kunden hervorhebt.

USP - Uniqe Selling Proposition Doreen Ullrich Personal Branding
USP- Unique Selling Proposition

Stelle folgende Fragen um deine USP zu formulieren:

  • Was für Eigenschaften sollte deine USP aufweisen?
  • Wie sieht deine ideale Zielgruppe aus? (Dies kannst du realisieren, indem du „Buyer Personas“ erstellst)
  • Denke über die genauen Wünsche deiner Zielgruppe nach?
  • Gibt es Probleme die deine potenziellen Kunden mit Produkten haben, die deinen ähnlich sind?
  • Welche Probleme, Wünsche und Bedürfnisse werden von deinen Mitbewerbern bereits bedient?

Klarheit durch Positionierung als Unternehmer

Wenn du willst, dass die Leute über dein Unternehmen, deine Produkte, Dienstleistungen und Menschen in deinem Unternehmen Bescheid wissen und reden, solltest du deine Marke selbst gut genug kennen, um sie auf gleich welchem Event (On oder Offline) in 2 Minuten in EINFACHEN Worten vorzustellen. 

Beantworte dir folgende Fragen für mehr Klarheit:

  • Was ist das Besondere an der „nächstbesten Alternative“ deines Angebots? 
  • Was ist es wert und warum sind Kunden bereit dafür zu zahlen? 
  • Warum verdient es den von dir angestrebten Marktanteil? 

Wenn du mehr als eine Antwort auf diese Frage hast, hast du noch einiges zu tun. Deine „eine Sache“ zu finden mag dir vielleicht klar sein, aber für die meisten braucht es viele Recherchen und auch Seelensuche. Nämlich herauszufinden, was Kunden bei dir kaufen wollen – was sich durchaus von dem unterscheiden kann – was du zu verkaufen glaubst.

Überzeugung durch Differenzierung als Unternehmer

Hier geraten die meisten Brands in Schwierigkeiten. Unternehmen fehlt schlicht die TIEFE ÜBERZEUGUNG über ihre „eine Sache“ zu sprechen. 

Überzeugung durch Differenzierung Doreen Ullrich Personal Branding
Überzeugung durch Differenzierung

Viele Unternehmen und Führungskräfte glauben einfach nicht genug an eine ENGE, KLARE Positionierung oder an ihre Strategie als Unternehmen, um sich NUR DARAUF zu konzentrieren. 

Dann sind sie lieber Nachhaltig UND Modern UND die Besten. Sie sind preiswert UND sofort lieferbar. UND sie sind diejenigen die am längsten am Markt sind UND haben auch die aktuellsten Tools UND sind damit die sicherste Wahl. 

Und weil der „warte, da ist noch mehr“-Ansatz beim Brand Marketing, die Kunden so viel Lärm macht und Verwirrung stiftet, merken sie nicht, dass das Signal ihres wahren Zwecks ihre potenziellen Kunden nicht erreicht.

DOCH Standhaftigkeit, MIT Würde und LANGE GENUG, um endlich wahrgenommen zu werden, braucht Durchhaltevermögen!

Deshalb weiß ich genau, aus meinen eigenen 1000 Fehlern, dass selbst die tiefste Überzeugung auf die Probe gestellt wird.

Ich bin genauso schuldig wie jeder andere, von Zeit zu Zeit den „JA UND“-Ansatz beim Branding zu wählen. 

Warum „Ja, und“ nicht gilt

Es liegt in der Natur des Menschen anderen als Marke gefallen zu wollen und sie für MEHR dieser Segmente und möglichen MEHR Kunden relevant zu machen. Kurz um, MEHR Angebote als nötig zu haben. 

Doch nie war mir nach über 30ig Jahren im Brand Marketing bewusster, dass Personal Branding ein Bereich ist, in dem „ja, und“ das der 100%igen Improvisation entnommen ist –NICHT GILT! 

Mit „JA-UND“-Antworten kannst du vielleicht in Preisverhandlungen (stimmt’s Ulrike Knauer?), in Konflikten oder sogar kreativen Kooperationen erfolgreich sein, aber Personal Branding braucht 100% Klarheit über JA SO und GENAU DAS und NEIN und SO und NICHT! 

Denn DAS, wozu du NEIN sagst, ist das Bestehen des Tests deiner eigenen Markenstrategie. 

Ja, er ist schwierig, weil du deine eigene menschliche Natur bekämpfen musst, unter Druck stehst und Mut haben musst deine Brand mit Zuversicht, Klarheit und Überzeugung auf die Straße zu bringen.

Fail is no reason to change – das heißt, wichtig ist es Dranzubleiben!

Und das ist absolut nichts Neues, denn die einfachste Formel, das erfolgreiche Menschen von weniger Erfolgreichen unterscheidet ist deren Konsequenz.

Einfach weiterzumachen! Du bist frustriert? Einfach weitermachen! Es funktioniert nichts, wie du es dir wünschst? Einfach weitermachen! Es bläst dir der Wind eiskalt ins Gesicht? Einfach weitermachen! Du weißt nicht weiter? Einfach weitermachen! Alles ist perfekt? Einfach weitermachen!Du bist sehr erfolgreich mit dem, was du tust? Einfach weitermachen!

Und egal woher der Wind bläst: Meine Mission bist DU!

Dieser Artikel ist im Original unter LinkedIn Business Insider erschienen.

Viel Erfolg! Deine Doreen

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